Vom Buchhändler zum Buchhalter

- Interview aus „Fit durch Fortbildung“ (gekürzte Fassung) -

20 Jahre im selben Unternehmen. Wer das hinter sich hat, so ein weit verbreitetes Vorurteil im Personalmanagement, ist flexibel wie Stahlbeton, nämlich fast gar nicht. Wie gesagt, ein Vorurteil und demnach dazu da, abgebaut zu werden. Thomas Eimann, 46 Jahre alt, trägt dazu bei. Nach der Schule erlernte er den Beruf des Sortimentsbuchhändlers und übte ihn anschließend mit großer Leidenschaft aus. Diese Leidenschaft führte ihn im selben Unternehmen bis an die Spitze – der Leitung einer Filiale. Doch das Privatleben litt unter diesem beruflichen Engagement, zumal seine Frau ihre Traumarbeitsstelle weit außerhalb des Wohnorts gefunden hatte. So war das Ehepaar praktisch nur noch sonntags zusammen und da stand der Wohnungsputz ganz oben auf der ToDo-Liste – eine auf Dauer unbefriedigende Situation. Thomas Eimann löste sie auf seine Art.

Er trat als Filialleiter zurück und reduzierte seine Arbeitszeit. Unter Karrieregesichtspunkten ein Fehler, zumal in einer Branche, die durch den Onlinehandel eine Menge Gegenwind erfährt. Läden werden geschlossen, Arbeitsplätze werden abgebaut und da beginnt man selten an der Spitze. Das Schicksal der Freisetzung, wie Entlassungen gerne schönfärberisch umschrieben werden, ereilte auch ihn. Und so stand er eines Tages auf der sprichwörtlichen Straße bzw. saß in der Arbeitsagentur. Für die Vermittler zunächst kein einfacher Fall – und urplötzlich doch – dank der Aufmerksamkeit des Kunden.

Zufällig erfuhr Thomas Eimann von einer Fortbildung für arbeitslose Kaufleute, die ihr Wissen u.a. im Bereich Rechnungswesen auf den neuesten Stand bringen möchten. Mit diesen Kompetenzen, so sein Kalkül, würde es bei der Stellensuche schneller klappen. Seinen erlernten Beruf liebte er zwar, aber er war nicht darauf fixiert. Die Tätigkeit an sich muss einem liegen, dann spielt die Branche eine eher untergeordnete Rolle, so seine Einstellung. Das sah auch die Arbeitsagentur so und gab Thomas Eimann den Bildungsgutschein für die Teilnahme.

Fit durch Fortbildung hat Thomas Eimann gefragt, ob sein Kalkül aufgegangen ist.

Absolut! Ich habe wenige Wochen nach dem Kurs eine Stelle bekommen.

Tatsächlich? Welche Tätigkeit üben Sie jetzt aus?

Ich bin Finanzbuchhalter in einem mittelständischen Unternehmen in Herrenberg. Buchhaltung ist etwas, was ich schon während meiner Ausbildung gern gemacht habe. Später im Beruf brauchte ich es aber kaum noch.

Und trotzdem haben Sie die Stelle bekommen?

Ja, nicht zuletzt durch die hervorragende Fortbildung, die ich besuchen durfte. Sie hat mich so sehr motiviert, dass ich anschließend in Abendkursen bei der Volkshochschule den Xpert Business Abschluss als Finanzbuchhalter gemacht habe und demnächst auch noch den Abschluss „Finanz- und Lohnbuchhalter“ machen möchte.

Gratulation! Und das hat Ihnen bei der Stellensuche den entscheidenden Vorteil gebracht?

Ob er entscheidend war, weiß ich nicht. Meine Weiterbildung war auf jeden Fall wichtig, weil ich mir so die notwendigen Kompetenzen aneignen konnte und weil ich damit gezeigt habe, dass ich bereit bin, mich auch auf eigene Kosten fortzubilden. Das wurde mir nach der Einstellung als ein positives Kriterium genannt.

Und was wurde Ihnen noch genannt?

Wichtig für meinen neuen Arbeitgeber war auch, dass ich vorher so lange bei meiner alten Firma gearbeitet habe. Damit wusste man, dass ich kein Job-Hopper bin. Man wollte gerne jemanden, bei dem man sicher sein kann, dass er sich längerfristig binden möchte.
Außerdem habe ich, glaube ich, gezeigt, dass ich auch kurzfristig flexibel reagieren kann und Einsatz zeige – um so dem Arbeitgeber deutlich zu machen, dass ich den Job auch wirklich haben will und bereit bin, etwas dafür zu tun.

Somit haben Sie auf Anhieb einen unbefristeten Arbeitsvertrag bekommen?

Nein. Ich habe zunächst einen Zeitvertrag über 15 Monate bekommen. Damit bin ich aber auch schon sehr zufrieden, weil ich so – als eigentlich Branchenfremder in doch fortgeschrittenem Arbeitnehmeralter – schon mal einen Fuß in der Türe habe und die Möglichkeit habe, zu zeigen, was ich kann.

Nun, das überrascht nicht, Zeitverträge sind heutzutage eher normal. Fiel Ihnen die Einarbeitung eigentlich schwer, schließlich hat die Elektronikbranche wenig mit dem Buchhandel zu tun?

Das kann ich eigentlich nicht sagen. Natürlich ist das alles erst mal viel Neues. Vom Prinzip her ist Buchhaltung in allen Branchen aber dasselbe. Aber man sollte schon wissen, was das ist, was da auf den Rechnungen steht und zu verbuchen ist. Den Durchblick auf diesem Gebiet muss ich mir selber erarbeiten. Das finde ich aber sehr spannend, weil ich jeden Tag etwas mehr von den betrieblichen Zusammenhängen verstehe – im kaufmännischen wie im technischen Bereich – und so auch meinen Horizont über meine eigentliche Tätigkeit hinaus erweitern kann.

Herr Eimann, herzlichen Dank, dass Sie sich für uns Zeit genommen haben.